Kinderbetreuung: Unterschied zwischen den Versionen

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(Kinderbetreuung in Deutschland)
 
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2. mindestens 33 Prozent der Kinder im Alter von unter 3 Jahren  
 
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Zugang zu Kinderbetreuung erhalten.<ref>[http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/files/documents/130531_barcelona_en.pdf Europäische Kommission (2013): Barcelona Objectives]</ref>  
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Zugang zu Kinderbetreuung erhalten.<ref>[https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/130531_barcelona_en_0.pdf Europäische Kommission (2013): Barcelona Objectives]</ref>  
  
 
Darüber hinaus werden Aspekte der Qualität und staatliche Ausgaben für Kinderbetreuung sowie Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in die Strategie einbezogen.  
 
Darüber hinaus werden Aspekte der Qualität und staatliche Ausgaben für Kinderbetreuung sowie Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in die Strategie einbezogen.  
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Das BMFSFJ sieht "eine gute Kinderbetreuung und die frühe Förderung für alle Kinder als wichtige Zukunftsaufgabe in Deutschland. Damit junge Menschen ihren Wunsch nach Kindern auch verwirklichen können, sind bedarfsgerechte Betreuungsangebote, gute Qualität und Trägervielfalt zu gewährleisten. Dabei spielt die Kindertagespflege als besonders flexible und familiennahe Betreuungsform eine zentrale Rolle. Diese soll weiter professionalisiert werden, indem insbesondere die Qualifikation und Vergütung von Tagespflegepersonen weiterentwickelt werden.
 
Das BMFSFJ sieht "eine gute Kinderbetreuung und die frühe Förderung für alle Kinder als wichtige Zukunftsaufgabe in Deutschland. Damit junge Menschen ihren Wunsch nach Kindern auch verwirklichen können, sind bedarfsgerechte Betreuungsangebote, gute Qualität und Trägervielfalt zu gewährleisten. Dabei spielt die Kindertagespflege als besonders flexible und familiennahe Betreuungsform eine zentrale Rolle. Diese soll weiter professionalisiert werden, indem insbesondere die Qualifikation und Vergütung von Tagespflegepersonen weiterentwickelt werden.
  
Gemeinsames Ziel von Bund, Ländern und Kommunen ist, bundesweit ein bedarfsgerechtes und qualitativ gutes Angebot an Betreuungsplätzen insbesondere für Kinder unter drei Jahren zu schaffen. Denn seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz."<ref>[http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Kinder-und-Jugend/kinderbetreuung.html BMFSFJ (2015): Kinderbetreuung]</ref>
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Gemeinsames Ziel von Bund, Ländern und Kommunen ist, bundesweit ein bedarfsgerechtes und qualitativ gutes Angebot an Betreuungsplätzen insbesondere für Kinder unter drei Jahren zu schaffen. Denn seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz."<ref>[https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/kinderfoerderungsgesetz--kifoeg-/86390 BMFSFJ (2018): Kinderfördergesetz]</ref>
  
Deutschland hat das Ziel für min. 90 Prozent der Kinder ab 3 Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen erreicht (Daten für das 2011). Im Bereich der Betreuung für Kinder unter 3 Jahren konnten die Barcelona Ziele fast erreicht werden. Im Jahr 2016 wurden Betreuungsplätze für rund 33 Prozent der Kinder zur Verfügung gestellt werden. 2011 konnten hier Betreuungsplätze für nur 20 Prozent der Kinder unter 3 Jahren bereitgestellt werden. Ein großer Unterschied ist zwischen den neuen und alten Bundesländern festzustellen. In den neuen Bundesländern werden Betreuungsplätze für rund 52 Prozent der Kinder unter 3 Jahren zur Verfügung gestellt, in den alten Bundesländern hingegen nur 28,1 Prozent.<ref>[https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Soziales/KinderJugendhilfe/KindertagesbetreuungRegional5225405167004.pdf?__blob=publicationFile destatis (2016): Kindertagesbetreuung regional 2016]</ref>
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Deutschland hat das Ziel für min. 90 Prozent der Kinder ab 3 Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen erreicht (Daten für das 2011). Im Bereich der Betreuung für Kinder unter 3 Jahren konnten die Barcelona Ziele fast erreicht werden. Im Jahr 2017 wurden Betreuungsplätze für 33,1 Prozent der Kinder zur Verfügung gestellt werden. 2011 konnten hier Betreuungsplätze für nur 20 Prozent der Kinder unter 3 Jahren bereitgestellt werden. Ein großer Unterschied ist zwischen den neuen und alten Bundesländern festzustellen. In den neuen Bundesländern werden Betreuungsplätze für rund 51,3 Prozent der Kinder unter 3 Jahren zur Verfügung gestellt, in den alten Bundesländern hingegen nur 28,8 Prozent.<ref>[https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Publikationen/Downloads-Kindertagesbetreuung/kindertagesbetreuung-regional-5225405177004.pdf?__blob=publicationFile&v=5 destatis (2017): Kindertagesbetreuung regional 2017]</ref>
  
 
==Einfluss von Kinderbetreuung auf den Gender Pay Gap==
 
==Einfluss von Kinderbetreuung auf den Gender Pay Gap==
 
Generell kann festgestellt werden, dass die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen steigt, je höher die Betreuungsrate von Kindern unter 3 Jahren ist (für Frauen im Alter von 20 bis 49 Jahren mit dem jüngsten Kind unter 6 Jahren).
 
Generell kann festgestellt werden, dass die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen steigt, je höher die Betreuungsrate von Kindern unter 3 Jahren ist (für Frauen im Alter von 20 bis 49 Jahren mit dem jüngsten Kind unter 6 Jahren).
  
Darüber hinaus hat die Betreuung von Kindern einen starken Effekt auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Je höher die Betreuungsrate von Kinder unter 3 Jahren ist, desto geringer fällt die Lohnlücke (für Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren, Daten aus 2008 und 2012) aus. Im Gegenzug steigt die Lohnlücke an, je länger familienbedingte Unterbrechungen für Frauen (Elternzeiten) ausfallen (für Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren, Daten aus 2008 und 2012).<ref>[http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/files/documents/140502_gender_equality_workforce_ssr1_en.pdf Europäische Kommission (2014): Use of childcare in the EU Member States and progress towards the Barcelona targets], S. 24</ref> Somit kann der Effekt von Unterbrechungen von Frauen im Arbeitsmarkt auf die Lohnlücke von Frauen und Männern verdeutlicht werden.  
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Darüber hinaus hat die Betreuung von Kindern einen starken Effekt auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Je höher die Betreuungsrate von Kinder unter 3 Jahren ist, desto geringer fällt die Lohnlücke (für Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren, Daten aus 2008 und 2012) aus. Im Gegenzug steigt die Lohnlücke an, je länger familienbedingte Unterbrechungen für Frauen (Elternzeiten) ausfallen (für Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren, Daten aus 2008 und 2012).<ref>[https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/research_reports/RR100/RR185/RAND_RR185.pdf Europäische Kommission (2014): Use of childcare in the EU Member States and progress towards the Barcelona targets], S. 24</ref> Somit kann der Effekt von Unterbrechungen von Frauen im Arbeitsmarkt auf die Lohnlücke von Frauen und Männern verdeutlicht werden.  
  
 
==Einzelnachweise==
 
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[http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/files/documents/130531_barcelona_en.pdf Europäische Kommission (2013): Barcelona Objectives]
 
[http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/files/documents/130531_barcelona_en.pdf Europäische Kommission (2013): Barcelona Objectives]
  
[http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/files/documents/140502_gender_equality_workforce_ssr1_en.pdf Europäische Kommission (2014): Use of childcare in the EU Member States and progress towards the Barcelona targets]
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[https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/research_reports/RR100/RR185/RAND_RR185.pdf Europäische Kommission (2014): Use of childcare in the EU Member States and progress towards the Barcelona targets]
  
[http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Kinder-und-Jugend/kinderbetreuung.html BMFSFJ (2015): Kinderbetreuung]
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[https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/kinderfoerderungsgesetz--kifoeg-/86390 BMFSFJ (2018): Kinderfördergesetz]
  
[https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/09/PD14_313_225.html destatis (2014): Fast jedes dritte Kind unter 3 Jahren am 1. März 2014 in Kindertages­betreuung]
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[https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/kinderbetreuung BMFSFJ: Kinderbetreuung]
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[https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2018/10/PD18_401_225.html destatis (2018): 33,6 Prozent der unter 3-Jährigen am 1. März 2018 in Kindertagesbetreuung]
  
 
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Aktuelle Version vom 14. August 2019, 13:44 Uhr

Barcelona Ziele

Im Jahr 2002 wurden auf europäischer Ebene die Barcelona Ziele verabschiedet. Hintergrund ist, junge Eltern nach Erwerbspausen wieder im Arbeitsmarkt zu integrieren und die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen zu stärken. Dabei soll auch die Gleichstellung von Frauen im Arbeitsmarkt gefördert werden, indem Hürden für Frauen, vor allem in fehlender Kinderbetreuung, abgebaut werden.

Die Barcelona Ziele besagen, dass bis 2010:

1. mindestens 90 Prozent der Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren, und

2. mindestens 33 Prozent der Kinder im Alter von unter 3 Jahren

Zugang zu Kinderbetreuung erhalten.[1]

Darüber hinaus werden Aspekte der Qualität und staatliche Ausgaben für Kinderbetreuung sowie Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in die Strategie einbezogen.

Kinderbetreuung in Deutschland

Eine der Hauptursachen für die Entgeltlücke ist, dass Frauen häufiger und länger ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt unterbrechen oder reduzieren als Männer. Der Ausbau von Betreuungangeboten für Kinder, insbesondere für Kinder unter 3 Jahren und von Kindertagesstätten, kann hier die Wiedereinstiegshemmnisse für Frauen in der Arbeitsmarkt verringern.

Das BMFSFJ sieht "eine gute Kinderbetreuung und die frühe Förderung für alle Kinder als wichtige Zukunftsaufgabe in Deutschland. Damit junge Menschen ihren Wunsch nach Kindern auch verwirklichen können, sind bedarfsgerechte Betreuungsangebote, gute Qualität und Trägervielfalt zu gewährleisten. Dabei spielt die Kindertagespflege als besonders flexible und familiennahe Betreuungsform eine zentrale Rolle. Diese soll weiter professionalisiert werden, indem insbesondere die Qualifikation und Vergütung von Tagespflegepersonen weiterentwickelt werden.

Gemeinsames Ziel von Bund, Ländern und Kommunen ist, bundesweit ein bedarfsgerechtes und qualitativ gutes Angebot an Betreuungsplätzen insbesondere für Kinder unter drei Jahren zu schaffen. Denn seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz."[2]

Deutschland hat das Ziel für min. 90 Prozent der Kinder ab 3 Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen erreicht (Daten für das 2011). Im Bereich der Betreuung für Kinder unter 3 Jahren konnten die Barcelona Ziele fast erreicht werden. Im Jahr 2017 wurden Betreuungsplätze für 33,1 Prozent der Kinder zur Verfügung gestellt werden. 2011 konnten hier Betreuungsplätze für nur 20 Prozent der Kinder unter 3 Jahren bereitgestellt werden. Ein großer Unterschied ist zwischen den neuen und alten Bundesländern festzustellen. In den neuen Bundesländern werden Betreuungsplätze für rund 51,3 Prozent der Kinder unter 3 Jahren zur Verfügung gestellt, in den alten Bundesländern hingegen nur 28,8 Prozent.[3]

Einfluss von Kinderbetreuung auf den Gender Pay Gap

Generell kann festgestellt werden, dass die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen steigt, je höher die Betreuungsrate von Kindern unter 3 Jahren ist (für Frauen im Alter von 20 bis 49 Jahren mit dem jüngsten Kind unter 6 Jahren).

Darüber hinaus hat die Betreuung von Kindern einen starken Effekt auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Je höher die Betreuungsrate von Kinder unter 3 Jahren ist, desto geringer fällt die Lohnlücke (für Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren, Daten aus 2008 und 2012) aus. Im Gegenzug steigt die Lohnlücke an, je länger familienbedingte Unterbrechungen für Frauen (Elternzeiten) ausfallen (für Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren, Daten aus 2008 und 2012).[4] Somit kann der Effekt von Unterbrechungen von Frauen im Arbeitsmarkt auf die Lohnlücke von Frauen und Männern verdeutlicht werden.

Einzelnachweise

  1. Europäische Kommission (2013): Barcelona Objectives
  2. BMFSFJ (2018): Kinderfördergesetz
  3. destatis (2017): Kindertagesbetreuung regional 2017
  4. Europäische Kommission (2014): Use of childcare in the EU Member States and progress towards the Barcelona targets, S. 24

Quellen

Europäische Kommission (2013): Barcelona Objectives

Europäische Kommission (2014): Use of childcare in the EU Member States and progress towards the Barcelona targets

BMFSFJ (2018): Kinderfördergesetz

BMFSFJ: Kinderbetreuung

destatis (2018): 33,6 Prozent der unter 3-Jährigen am 1. März 2018 in Kindertagesbetreuung

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Siehe auch

BPB: Infografik Kinder in Tagesbetreuung

WSI Report: Große Unterschiede in den Arbeitszeiten von Frauen und Männern

Familie und familienbezogene Leistungen | Gender Pay Gap