Transparenz

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Transparenz

Über sein Gehalt zu sprechen ist in Deutschland weiterhin ein Tabu. Doch dieses Tabu zu brechen würde sich positiv auf die Lohnlücke auswirken und dazu beitragen, diese einen Teil zu schließen. Studien zeigen, dass die Durchsetzung transparenter Gehaltsstrukturen das Potential hat, die Lohnlücke um bis zu drei Prozentpunkte zu senken.

Daneben zeigen Befragungen, dass die Bevölkerung in Deutschland befürwortet, dass die Lohnlücke geschlossen werden soll. Daneben sprechen sich 76 Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage dafür aus, dass Gehaltstransparenz umgesetzt werden soll, um die Lohnlücke zu schließen. Denn nur wer über Gehaltsniveaus informiert ist, kann einschätzen wie sie oder er im Vergleich da stehen und auch beweisen, dass sie oder er ungerecht bezahlt wird.

Prüfverfahren

Verschiedene Verfahren zur Prüfung von Entgeltgleichheit in Unternehmensstrukturen sind bereits in der Praxis angekommen. Diese Prüfverfahren unterstützen Unternehmen dabei, die Entgeltstrukturen transparent und für Arbeitnehmende nachvollziehbar gestalten zu können.

Zum einen kann mit Hilfe des Prüfinstruments Logib-D der Gender Pay Gap im Unternehmen ermittelt werden. Darüber hinaus bietet das Tool die Möglichkeit, den Gender Pay Gap auf den verschiedenen Unternehmensebenen zu identifizieren.

Weiterhin bietet das Verfahren eg-Check die Möglichkeit, Arbeitsbewertung systematisch auf Unterbewertung einzelner Tätigkeiten hin zu untersuchen und die Arbeitsbewertung gerecht zu gestalten.

Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit / Entgelttransparenzgesetz

Am 30. März 2017 hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen (EntgTranspG) beschlossen. Der Bundesrat hat dem Gesetz ebenfalls zugestimmt. Das Entgelttransparenzgesetz ist am 6. Juli 2017 in Kraft getreten. Der beschlossene Auskunftsanspruch für Beschäftigte gilt seit dem 6. Januar 2018.

Wesentliche Bausteine des Gesetzes sind:

- "Einführung eines individuellen Auskunftsanspruches: Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten müssen diesen zukünftig auf Anfrage erläutern, nach welchen Kriterien sie wie bezahlt werden.

- Betriebliche Verfahren zur Überprüfung und Herstellung von Entgeltgleichheit: Private Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten werden aufgefordert, regelmäßig ihre Entgeltstrukturen auf die Einhaltung der Entgeltgleichheit zu überprüfen.

- Bericht zur Gleichstellung und Entgeltgleichheit: Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten, die lageberichtspflichtig sind, müssen zudem künftig regelmäßig über Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit berichten. Diese Berichte sind für alle einsehbar.

- Schaffung einer klaren Rechtsgrundlage für das Entgeltgleichheitsgebot und Definition wesentlicher Begriffe."[1] [2]

Weitere Informationen:

Das Entgelttransparenzgesetz: Informationen zum Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz

Das neue Entgelttransparenzgesetz: Mehr Chancen für Beschäftigte

Quickcheck zum Entgelttransparenzgesetz: Kurz und kompakt: Welche Arbeitgeber sind vom Gesetz betroffen?

Das Entgelttransparenzgesetz: Ein Leitfaden für Arbeitgeber sowie für Betriebs- und Personalräte

Monitor Entgelttransparenz

Internationale Herangehensweisen

Seit April 2018 müssen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden in Großbritannien ihren Gender Pay Gap sowie Gap bei Boni und die Verteilung von Frauen im Unternehmen veröffentlichen. Die Gesetzesänderung und die damit einhergehende Veröffentlichung hat in Großbritannien eine weitreichende Diskussion über die Ursachen der Lohnlücke sowie Personalpolitk entfacht. Bisher haben rund 10.800 Unternehmen ihre Daten für alle einsehbar veröffentlicht.

Gender Pay Gap Reporting

Auch in Frankreich sind Gesetzesänderungen angedacht. Frankreich möchte die Berechnung und Veröffentlichung des Gender Pay Gaps für Unternehmen verpflichtend einführen. Darüber hinaus sind Strafen für Unternehmen bei Zuwiderhandlung angedacht.

In Island ist nun für Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten Pflicht, den Equal Pay Standard umzusetzen und sich nach diesen Richtlinien sich regelmäßig zertifizieren zu lassen. Ziel des Standards ist, zum einen faire Bezahlung im Managementprozesses eines Unternehmens zu verankern und regelmäßig die Bewertung und Bezahlung von Tätigkeiten zu überprüfen.

Quellen

  1. BMFSFJ: Lohngerechtigkeit
  2. siehe auch Deutscher Bundestag: Bundestag verabschiedet Entgelttransparenzgesetz

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Transparenz für mehr Entgeltgleichheit, 2015 Link

European Added Value: Bewertung des europäischen Mehrwerts über die Anwendung des Grundsatzes der gleichen Entgelts für Männer und Frauen für gleiche und gleichwertige Arbeit, 2013 Link

Bundesagentur für Arbeit: Entgeltatlas

Lohnspiegel: Gehaltscheck

BMFSFJ: Lohngerechtigkeit

Siehe auch

Papenfuß, U., Schmidt, C. & Keppeler, F. (2017). Nur 823 von 2.948: Deutschlandweites Transparenzgefälle bei TopManagementvergütung öffentlicher Unternehmen

Papenfuß, U. (2017). Vergütungstransparenz-Ranking 2017

Schwerpunktthema 2015: Transparenz | Schwerpunktthema 2018: Transparenz gewinnt.