Rollenbilder

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Rollenbilder

Geschlechtergerechtigkeit braucht passende rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Am Rechtsrahmen arbeitet der Gesetzgeber, nicht selten angestoßen durch die Rechtsprechung. Geschlechtergerechte Verhaltensweisen müssen wir uns selbst erarbeiten, indem wir gemeinsam, Männer und Frauen, die tradierten Rollenbilder über Bord werfen. Auf diesem Weg gibt es Fortschritte, wie eine Untersuchung im Auftrag des BMFSFJ aus dem Jahr 2013 zeigt, die den Fokus auf Einstellungen und Verhaltensweisen von Jungen und Männern legt – nicht ohne diese an den Erwartungen von Mädchen und Frauen zu spiegeln.

„Zu Beginn einer Partnerschaft wird in vielen Milieus ein gleichgestelltes Partnerschaftsmodell angestrebt und auch schon praktiziert. Im Verlauf des gemeinsamen Lebens verändern sich auch bei Frauen ihre Anforderungen an ihren Partner. Bei signifikanten Zäsuren im Lebenslauf (v. a. durch die Geburt eines Kindes) erwarten sie vom Mann die finanzielle Existenzsicherung der Familie: ein möglichst hohes Gehalt erzielen, beruflich weiter aufsteigen für mehr Einkommen und hohes soziales Prestige; den Arbeitsplatz durch professionelles Engagement sichern (damit ist für Männer verbunden: in immer höherem Maße flexibel, mobil und erreichbar für den Arbeitgeber sein). Zugleich sollen Männer sich an den Hausarbeiten beteiligen, die Versorgung und Erziehung der Kinder zu einem erheblichen Teil mit übernehmen und gestalten, mit der Partnerin entspannt, kreativ und romantisch sein; wenn die Partnerin nach längerer familienbedingter Erwerbsunterbrechung wieder in den Arbeitsmarkt einsteigt, seine Arbeitszeit reduzieren, um sie von häuslichen Tätigkeiten zu entlasten. Männer sehen sich daher oft im unguten Spagat: Einerseits kleben sie (teils gezwungen, teils entlastend) an traditionellen Rollen, Pflichten und Erwartungen; andererseits haben sie selbst das Bedürfnis zur Erweiterung der gewohnten Muster für ein zeitgemäßes und zukunftsfähiges Mannsein.“[1]

Exkurs: Rabenmutter

Beitrag von Spiegel Online, 3. Juli 2011:

"Sind Rabenmütter wirklich schlechte Mamas?

Raben haben einen miesen Ruf: Sie zerren Unrat aus den Mülleimern in Parks, sind als Leichenfledderer und krächzende Unglücksboten verschrien – und als schlechte Eltern. Aber vernachlässigen Rabenmütter tatsächlich ihren Nachwuchs?

Raben überraschen Forscher immer wieder mit ihrer Intelligenz und fristen trotzdem ein ziemlich trostloses Dasein: Sie sind schwarz, weil sie einst verflucht wurden, heißt es im Volksglauben. Und Rabenmutter ist ein Synonym für schlechte Mütter. Doch woher kommt der Ausdruck? Behandeln Raben ihre Jungen tatsächlich so miserabel?

"Das Gegenteil ist der Fall – eigentlich sollte der Ausdruck Rabenmutter eine Auszeichnung sein", sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). "Raben betreiben eine ausgesprochen intensive Brutpflege und sind vorbildliche Vogeleltern." Das gelte für die ganze Familie der Rabenvögel mit ihren rund hundert verschiedenen Arten auf der Welt. Dazu zählen hierzulande neben den Kolkraben die verschiedenen Krähenarten und Dohlen. Außerdem gehören Elstern, Tannenhäher und Eichelhäher zu den Rabenvögeln. "Ohne die aufwendige Fürsorge der Eltern wären Rabenküken nicht überlebensfähig", sagt Heiermann. Sie schlüpfen als sogenannte Nesthocker: nackte, hilflose Wesen, die darauf angewiesen sind, dass die Eltern sie wärmen und fortwährend mit Futter versorgen. Dagegen kommen Hühnerküken beispielsweise schon recht fit zur Welt: In ihrem warmen Flaumkleid rennen sie gleich los und picken selber Futter. Die Henne hat es also vergleichsweise einfach mit dem Nachwuchs.

"Wären Raben schlechte Eltern, wären sie längst ausgestorben"

Rabeneltern schaffen, was vielen Menschen-Paaren misslingt: Hat sich ein Kolkraben-Pärchen einmal gefunden, bildet es einen Bund fürs Leben, bleibt treu und zieht gleichberechtigt die Brut groß. Dabei zeigen die intelligenten Vögel ihre stark ausgeprägte Fürsorge. "Wären Raben tatsächlich schlechte Eltern, wären sie längst ausgestorben", sagt Heiermann.

Bleibt die Frage, woher der üble Ruf der Raben stammt. Hieran ist offenbar die Bibel Schuld. Im Buch Hiob heißt es: "Wer bereitet den Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und fliegen irre, weil sie nicht zu essen haben?" Vermutlich gehe diese Bibelstelle auf junge Raben zurück, die aus dem Nest gefallen sind, sagen Historiker: Die betroffenen Jungtiere machen einen verlassenen und hilflosen Eindruck. Beobachtern kann dabei leicht entgehen, dass die Rabeneltern immer in der Nähe sind und das Jungtier weiter versorgen."[2]

Quellen

  1. BMFSFJ (2013). Jungen und Männer im Spagat: Zwischen Rollenbildern und Alltagspraxis. S. 11ff.
  2. Spiegel Online 03.07.2011

Siehe auch

Factsheets zum ersten Gleichstellungsbericht Pdf-icon.gif Download PDF

BPB: Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt

BPB: Das Ende des Ernährermodells

WSI Report: Große Unterschiede in den Arbeitszeiten von Frauen und Männern

Deutscher Frauenring: Geschlechterrolle vorwärts

PinkStinks: Rollenbilder in den Medien

Rosa Hellblau Falle

Neue Wege für Jungs

Genderporal Mein Testgelände

He for She - Kampagne von UN Women sowie He for She: Barbershop Toolbox